MOTIVATOR, INNOVATOR, QUERDENKER?

Allianz Deutschland | München Unterföhring | Juli 2019
Lesedauer ca. 4 min

 

Ein Interview über Agile Leadership und die Rolle der Führungskraft von morgen

Die Digitalisierung ist mit ihren immensen Chancen und komplexen Herausforderungen in aller Munde. Insbesondere Traditionsunternehmen wie die Allianz stehen in einem von Unsicherheit und Volatilität geprägten Umfeld vor der Aufgabe, Innovation und Tradition gewinnbringend zu vereinen. Im Interview mit Christoph-Ernst Benary betrachten wir, wie sich die Allianz in den letzten Jahren verändert hat und gehen der Frage auf den Grund, wie sich „Agile Leadership“ von der klassischen Führungskultur unterscheidet. Sophia Ismair hat ihn getroffen und befragt.

 

Sophia: Wie bist du zur Allianz gestoßen und welche Erfahrungen hast du in deinen ersten Berufsjahren bei uns gesammelt?

Christoph: Nach meinem Master in BWL bin ich bei der Allianz als Vorstandsassistent in der IT-Beratung eingestiegen. Dem Thema Digitalisierung bin ich auch nach den zwei Jahren dort treu geblieben und arbeite in einer Einheit, die digitale Services entwickelt und steuert. In der Digital Factory bin ich derzeit Product Owner und leite ein Team, das sich um die Digitalisierung von Zahlungsprozessen kümmert.

Sophia: Wie arbeitest du in deiner Abteilung zusammen und unterscheiden sich Vorgehen und Methodik von der Start-Up Welt?

Christoph: Unsere Aufgabe in der Digital Factory ist es, die Prozesse der Allianz auf ein modernes technologisches und kundenorientiertes Fundament zu stellen. Wir arbeiten in einem cross-funktionalen Team, in dem jeder aus einem anderen Teil des Unternehmens kommt. So sind wir sehr nah an dem, was die Start-up-Welt ausmacht. Zusätzlich haben wir aber auch die Infrastruktur der Allianz im Rücken, durch die wir an einigen Stellen einen Vorteil gegenüber Start-ups haben.

Sophia: Wenn du auf deine bisherige Zeit bei der Allianz zurückblickst: Wie hat sich die Allianz in diesem Zeitraum in deinen Augen verändert? Was sind die größten Herausforderungen der Allianz als Großkonzern und was bedeutet dies konkret für die Führungskräfte, die diesen Wandel mit ihren Teams umsetzen?

Christoph: Die Allianz hat sich in dieser Zeit rasant verändert, wir sind als Unternehmen deutlich schneller geworden. Die aktuellen Herausforderungen und die Möglichkeit, die Weichen neu zu stellen, machen die Arbeit hier so unglaublich spannend. Insbesondere Unternehmen wie Amazon, Netflix, oder Google, die ja eigentlich keine unserer Wettbewerber im klassischen Sinne sind, induzieren einen großen Handlungsdruck. Unsere Kunden lernen dort einen gewissen Standard an Schnelligkeit und Kundenorientierung kennen und erwarten diesen auch von uns. Wir arbeiten deshalb daran, unsere Services stärker am Verständnis der Kunden zu orientieren und weniger prozessual geprägt zu arbeiten. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass es nicht mehr reicht, wenn man sich ein kleines Kästchen einer langen Wertschöpfungskette nimmt und innerhalb dieses Kästchens optimiert. Man muss sich vielmehr die gesamte Kette end-to-end anschauen und von vorne bis hinten für das Gesamtproblem Verantwortung übernehmen. Die Herausforderung für unsere Führungskräfte ist es dabei, nicht mehr nur Mitarbeiter aus ihren eigenen Abteilungen zu führen und zu motivieren, sondern dafür zu sorgen, dass sich Menschen aus allen Teilen des Unternehmens auf ein gemeinsames Ziel verpflichten und dafür begeistern.

Sophia: Welche Methoden und Technologien setzt die Allianz ein, um Kundenbedürfnisse besser zu bedienen und innovative Produkte zu entwickeln?

Christoph: In der Digital Factory arbeiten wir viel mit Kunden- oder Usertests. Das ist die beste Quelle, um sich tatsächlich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Wir machen qualitative Interviews, aber auch quantitative Umfragen, z.B. haben wir 600 unserer Rechnungskunden befragt und wollten wissen, ob sie sich vorstellen können, mit PayPal, Kreditkarten etc. ihre Versicherungsverträge zu bezahlen. Mit unseren User Experience Experten bei Kaiser X Labs und unseren Marktforschern im Marktmanagement haben wir eine Vielzahl an Möglichkeiten, Kundenbedürfnisse zu erfassen und somit viele Aspekte in unserer Produktentwicklung zu berücksichtigen.

Sophia: Was macht einen „Agile Leader“ aus und was unterscheidet deiner Meinung nach „Agile Leadership“ von der klassischen Führungslinie?

Christoph: Für mich unterscheidet sich ein Agile Leader gar nicht so sehr von einem klassischen Leader – auch in der Wasserfallstruktur gibt es ja nicht nur klare Kommandos und die Mitarbeiter führen nur aus, was der Chef sagt. In der agilen Welt funktioniert es aber auf keinen Fall so, denn man weiß, wenn man anfängt, noch gar nicht, was die richtige Lösung für ein Problem ist. Das heißt, man muss sich als agiler Leader zu 100 % darauf fokussieren, die Mitarbeiter für das Problem zu begeistern und ein Umfeld schaffen, in dem jeder einzelne seine individuelle Höchstleistung bringen kann. Machen lassen, muss man das Team aber schon selber. Das fühlt sich am Anfang erst einmal nach Kontrollverlust an, bringt aber am Ende viel bessere Ergebnisse.

Sophia: Wieso hast du dich für das Vorstandsassistenten-Programm der Allianz entschieden und was waren deine größten Herausforderungen während des Programms?

Christoph: Die größte Herausforderung als Assistent bestand für mich sicherlich darin, die Vielfalt der Inhalte zu bewerkstelligen. Sie macht zwar den Reichtum der Aufgabe aus, bringt einen aber auch manchmal intellektuell an seine Grenzen, da man als Assistent viele Themen gleichzeitig verstehen und bearbeiten muss. Man lernt die Allianz aus einer sehr unternehmerischen Perspektive kennen, denn man arbeitet tagtäglich mit den Menschen zusammen, die die großen Entscheidungen treffen. Hier merkt man schnell, dass man wirklich etwas verändern kann. In einem so großen Konzern zu arbeiten und ihn insbesondere in einer Zeit großer Veränderung auch etwas zu prägen, gibt einem auch in den Stationen nach der Assistenz große Motivation.

Sophia: Zu guter Letzt: Was treibt dich an, und was macht dir besonders großen Spaß an deiner Arbeit?

Christoph: Ich bin fundamental davon überzeugt, dass wir hier etwas richtig, richtig Gutes machen, das große gesellschaftliche Bedeutung hat. Mir macht es einfach Spaß, für eine Firma zu arbeiten, die eine so wertvolle Aufgabe hat. Zudem hat man als Führungskraft echten Entscheidungsspielraum, und damit die Chance, die Welt für Kunden und Mitarbeiter besser zu machen. Es ist toll, Menschen zu motivieren, zu unterstützen und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Danke, Christoph, für das interessante Gespräch!

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